Gemeindehaus

Geschichte unseres Gemeindehauses

 

In der Chronik ist an verschiedenen Stellen über den Erwerb, Tausch und Verkauf von Grundstücken die Rede und in diesem Zusammenhang dann auch von einem Jugendhaus, Vereinsheim oder Pfarrheim, das man für notwendig hält.

1925 kaufte die Gemeinde das Grundstück gegenüber der Kirche, etwa einen Morgen groß, für 12.500 Mark, das früher der Frau Rektor Fritz Thies in Herne gehört hatte.

Ende März [1926] hat die Kirchengemeinde den 1 ½ Morgen großen Platz zwischen Kirche und Schule von dem Bauunternehmer Drücke gekauft. Der Platz gegenüber der Kirche wurde eingetauscht und 16.000 RM zugezahlt. Ein langjähriger Wunsch der Gemeinde ist damit in Erfüllung gegangen. Durch den Ankauf dieses Grundstückes wurde das Kirchengrundstück abgerundet, so dass der Grund und Boden zwischen Kirche und Schule, Bismarckstraße und der sogenannten alten Bahn nunmehr in Größe von 4 ½ Morgen gänzlich der Gemeinde gehört!

Das Jahr 1949 brachte noch eine andere wichtige Begebenheit, nämlich die Bebauung des Platzes zwischen Kirche und Schule, zur Ausführung. Schon im Jahre 1937/38 war die katholische Ketteler-Baugenossenschaft an die Kirchengemeinde herangetreten, ihr den vorderen Teil des Platzes, der nach der Straße zu liegt, käuflich zu überlassen. Der Kauf kam zustande und wurde auch von der Erzbischöflichen Behörde in Paderborn genehmigt. Doch der hereinbrechende Weltkrieg verhinderte das Letzte, so dass eine gerichtliche Auflassung nicht erfolgte. Infolge der Wohnungsnot wurde aber das Projekt im Jahre 1949 wieder aufgegriffen und die Auflassung auf den neuen Eigentümer im Grundbuch bewerkstelligt. Mit Rücksicht auf das Gemeinwohl, das die Ketteler-Genossenschaft verfolgt, wurde der Preis, der ursprünglich mit 10.000 DM festgelegt war, auf 7.000 DM herabgesetzt. Wegen der großen Wohnungsnot wurde die Vermessung und Auflassung im Grundbuch sofort vorgenommen und auch mit dem Bau von Wohnhäusern begonnen, zumal die Bergwerksgesellschaft Hibernia die Finanzierung des Projektes sichergestellt hatte. Möge der Segen Gottes darauf ruhen! - Das nach dem Schwesternhaus zugelegene letzte Drittel des Platzes soll, so Gott will, für den Bau eines Jugendhauses, und zwar, wenn möglich bald schon, verwandt werden, um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen. Gebe Gott, Daß die Möglichkeit des Baues eines Jugendhauses für unsere Gemeinde bald gegeben ist.

 

Als 1952 wieder ein Kirchbauverein ins Leben gerufen wurde, diente er zunächst der Finanzierung einer Kirchenrenovierung. Es heißt aber auch:

Sodann braucht unsere Pfarrfamilie, Jugend und Vereine, für das außerkirchliche Leben ein Vereinshaus oder Pfarrheim.

In einer Audienz [anlässlich der Firmung am 23. Juli 1953] trug der Kirchenvorstand dem Erzbischof [Laurentius] unsere Bausorgen vor (Renovierung der Pfarrkirche, Vereinshaus, neue Kirche und Kindergarten an der Hafenstraße).

 

 

 

 

Das Vinzenzhaus vor dem Abbruch im Juni 1991.

Aus der Konsole zwischen den beiden Fenstern im Giebel wurde später der Grundstein des neuen Gemeindehauses hergestellt.

 

 

Als erstes Pfarrheim der Gemeinde, mit Räumen für Vereine, Jugend und Bücherei und einer Hausmeisterwohnung, konnte endlich ab 1965 das durch den Neubau von Schwesternhaus und Kindergarten an der Bismarckstraße frei gewordene Vinzenzhaus genutzt werden.

1972 wurde eine gründliche Renovierung des provisorischen Pfarrheims immer dringlicher. Die ersten Gelder wurden durch Tütchen-Sammlungen aufgebracht.

Als sich dann der Neubau von Kindergarten und Gemeinderäumen an der Nordstraße nicht absehbar in die Länge zog, entschloss sich der Kirchenvorstand 1984 für den Neubau eines Gemeindehauses bei der Kirche unter Einbeziehung des Vinzenzhauses.

Beim Gemeindefest vom 9. bis 11. September 1989 können die Architektenpläne für das künftige Gemeindehaus veröffentlicht werden.

Am 3. Juni [1991] beginnt der Abbruch des Vinzenzhauses, nachdem die bischöfliche Behörde die Genehmigung zum Beginn der Arbeiten für das neue Gemeindehaus Ende Mai erteilt hatte. Dem Abbruch vorausgegangen waren Aktionen der Gruppen zum Ausräumen der noch brauchbaren Materialien, Einlagern eines Teils der Buchbestände der Pfarrbücherei auf dem Vikarie-Boden und der Verkauf des anderen Teils der Buchbestände zu Flohmarktpreisen. Noch verwendbare Teile des Gebäudes, bzw. der Einrichtung wurden gegen freiwillige Spenden an Interessierte abgegeben.
 

In provisorischen Räumen kann das Gruppenleben, während der Bauzeit voll aufrechterhalten werden, wenn auch manche Unbequemlichkeiten in Kauf genommen werden müssen.

Die Grundsteinlegung des neuen Gemeindehauses findet am Patronatsfest, dem 15. September 1991, statt. Die eingemauerte Urkunde gibt auch Einzelheiten zum Bau wieder.

 

Der Text der Grundstein-Urkunde lautet:

IM NAMEN GOTTES,

des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes wurde heute, am Sonntag, dem 15. September 1991,
dem Patronatsfest unserer Gemeinde,
dem Fest der Schmerzen Mariens,

DIESER GRUNDSTEIN

zum Neubau eines Gemeindehauses gelegt.

 

Vor 80 Jahren, im Jahre 1911, war an dieser Stelle das "Vinzenzhaus", ein Haus für 6 Ordensschwestern mit einer Kleinkinder- und Nähschule, errichtet worden. Als im Jahre 1965 auf dem Grundstück Bismarckstraße 47 ein neues Schwesternhaus mit Kindergarten eingeweiht werden konnte, wurde das Vinzenzhaus zum provisorischen Pfarrheim umfunktioniert. Die Kleinkinderschule wurde 1972 zu einer Altentagesstätte umgebaut. Bis zum Abbruch im Juni 1991 wurde das Haus in dieser Weise genutzt.

1985 legte der Kirchenvorstand der Bischöflichen Behörde Vorentwürfe zur Erweiterung des Vinzenzhauses zu einem Gemeindehaus vor. Diese lehnte die Pläne ab und ordnete den Abbruch des Vinzenzhauses an. Sie bestand außerdem auf der Durchführung eines Architekten-Wettbewerbs zur Erlangung neuer Entwürfe. Ein Preisgericht entschied den Wettbewerb zugunsten der Architektengemeinschaft Schmiedeknecht-Krampe-Reiter aus Bochum, nach deren Plänen das Gemeindehaus jetzt gebaut wird. Bauunternehmer ist die Firma Eichmann und Bönning aus Gescher.

Heute, da Papst Johannes Paul II. die Katholische Kirche, Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt die Erzdiözese Paderborn und Dechant Hermann-Josef Klöpper das Dekanat Herne leiten, zählt unsere Mariengemeinde 6.541 Mitglieder. Bundespräsident der seit einem Jahr wiedervereinigten Bundesrepublik ist Richard von Weizäcker, Bundeskanzler Helmut Kohl, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Johannes Rau und Oberbürgermeister von Herne Willi Pohlmann.

 

Dieser Grundstein zierte einst den Giebel des Vinzenzhauses, von dem es in der Chronik heißt: "Erbaut aus der Mildtätigkeit der Baukauer, kündet dieses Haus nun allzeit von opferwilligem Geist und edler Caritasgesinnung der Pfarrgemeinde St. Marien." Diese Caritasgesinnung möge auch auf den Neubau übergehen als ein Haus der Begegnung und gegenseitiger Annahme für alle seine Benutzer. Die Fürbitte der Gottesmutter Maria und des hl. Vinzenz von Paul mögen dabei helfen.

Herne-Baukau, den 15. September 1991

(Es folgten die Unterschriften der Seelsorger, des Kirchenvorstandes, des Pfarrgemeinderates und der Bauleute, sowie das Pfarrsiegel)
 

Am Freitag, dem 11. September [1992], fand zur Eröffnung des Gemeindefestes die Einweihung des neuen Gemeindehauses statt. Das Festhochamt zelebrierte der Dechant von Herne, Pfarrer Klöpper von St. Bonifatius, der anschließend auch die Segnung des Hauses vornahm. Im Auftrag der Architekten-Gemeinschaft übergab der bauleitende Architekt Böhme den Schlüssel. Beim anschließenden Empfang im neuen Gemeindesaal, dessen Türen noch fehlten und dessen Fußboden noch nicht endgültig versiegelt war, versagte die neue Lautsprecher-Anlage, die auch später noch Schwierigkeiten verursachte. Man tröstete sich mit der Lautsprecheranlage des Deutschen Bundestages in Bonn, die in diesen Tagen ebenfalls versagte, so dass die Sitzungen des Bundestages für weitere Monate in die provisorische Unterkunft im ehemaligen Bonner Wasserwerk zurückverlegt werden mussten. Die zahlreichen Gäste - unter ihnen die Herner Bürgermeisterin Mannke und der Pfarrer der Patengemeinde aus Halle/Saale, Reinhard Kroker - nahmen es mit Gelassenheit. Die Stimmung indessen war hervorragend und alle - Gemeinde wie Gäste - freuten sich über das schöne und, wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, zweckmäßige Gemeindehaus. Architekt Schmiedeknecht selbst ist zur Einweihung nicht erschienen, weil er mit der Entscheidung des Kirchenvorstandes für Kunststofffenster nicht einverstanden war.

Im Jahre 1994 kam eine Diskussion über den Namen des neuen Gemeindehauses auf. Bei einer schriftlichen Abstimmung der Gemeindemitglieder darüber entschied sich die große Mehrheit im Juni 1994 für den Namen "Gemeindehaus St. Marien".

Am 31. Januar 1992 schloss nach 96jähriger Familientradition die der Kirche gegenüberliegende Gaststätte Neweling, von manchen auch "Der katholische Bahnhof" genannt. Viele Veranstaltungen der Kirchengemeinde fanden in den Räumen dieser Gaststätte statt, in den letzten Jahren zum Beispiel regelmäßig die Pfarrgemeinderatssitzungen.

 

Das Gemeindehaus ist heute Treffpunkt der verschiedenen Gruppen der Gemeinde. Durch seine individuell gestalteten Räumlichkeiten kann es für die unterschiedlichsten Gemeindeveranstaltungen genutzt werden.

 


Die Texte zu den Kapiteln über die Kirche von Herrn Georg Schumacher wurde in leicht bearbeiteter Form aus der Festschrift "100 Jahre St.-Marien-Gemeinde Herne-Baukau 1896-1996" entnommen.

Der blaue Text wurde entnommen aus:
Chronik Geschichte der Pfarrei Herne-Baukau (maschinenschriftliches Exemplar), Pfarrarchiv