Maria, Königin des Friedens (Augustdorf)
Die älteste Standortkirche der Bundesrepublik:
Das Zelt Gottes unter den Menschen.

 

Die Kirche, die 1960 von Erzbischof Jäger eingeweiht wurde,  liegt am Ortsrand der etwas über 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde Augustdorf in unmittelbarer Nachbarschaft zur GFM-Rommel-Kaserne.  

 

Die Architektur des Kirchbaues greift die Form eines Zeltes auf und erinnert an ein Mannschaftszelt, wie es von Soldaten in den Lagern benutzt wird. Sie lässt auch daran denken, dass Menschen häufig den Wohnort wechseln, ihre „Zelte auf- und abbauen“, wie es im Volksmund heißt. In diesem Zusammenhang erinnert die Kirche an das „Heilige Zelt“ der israelitischen Nomadenstämme. Für die Menschen in biblischer Zeit war dieses Zelt ein Ort des Gebetes und ein Zeichen für die Gegenwart Gottes, der unter den Menschen „wohnt“ und mit ihnen in die Zukunft  geht.

Die Israeliten nannten dieses Zelt auch „Zelt der Vergegenwärtigung“ oder „Zelt der Begegnung“.

Alle diese Aussagen greift die architektonische Gestalt der Augustdorfer Standortkirche auf. Als Gotteshaus will sie Stätte der Begegnung mit Gott sein –  im Gebet des Einzelnen, wie auch als Versammlungsort der Gläubigen im Gottesdienst. – Sie ist auch ein Zeichen dafür, dass Gott sich an das Geschick der Menschen gebunden und versprochen hat, bei ihnen zu sein.

 

Die Augustdorfer Kirche trägt den Namen der Gottesmutter Maria mit dem Titel „Königin des Friedens“. Wie Maria, die ihr ganzes Leben auf Gott hin ausrichtete und dadurch entscheidend mitwirkte, dass die Liebe und der Frieden Gottes in Jesus Christus erschienen ist, ist es die Aufgabe der Kirche, die Gottesliebe zu bezeugen und für den Frieden in der Welt einzutreten.

 

 

Besonderheiten in der Kirche:

 

Im Altarraum fallen vor allem drei Kerzenständer auf. Es sind Patronenhülsen des Kampfpanzers Leopard, die anstelle Tod bringender Geschosse jetzt Kerzen tragen. Was sie aussagen wollen ist, dass Christus, das lebendige Wort Gottes, wie ein Licht in dieser unheilvollen Welt erschienen ist, um die Menschheit aus Gewalt, Hass und Unfrieden zu befreien und zu erlösen.

Die Leuchter stimmen nachdenklich und rufen zu einer Umkehr des Denkens auf.

 

Ähnliches gilt für das Taufbecken. Es stammt aus der Maschine eines Kriegsschiffes und steht im Altarraum in unmittelbarer Nähe der drei Leuchter. Das Taufwasser in dem früheren Maschinenteil ist das zeichenhafte Element für Leben; sakramentales Zeichen für die christliche Hoffnung auf ein neues Leben in Gott, der Sinnlosigkeit, Angst und Tod überwinden und verwandeln hilft. „Ich bin das lebendige Wasser“, sagt Jesus Christus. Der Taufbrunnen bringt zum Ausdruck, dass uns Christus neue Möglichkeiten des Lebens schenken will und uns aus den Verstrickungen in Schuld und Sünde befreien möchte.

Das Militärseelsorgekreuz mit der Krone auf dem Deckel des Taufbeckens unterstreicht das Gesagte: Christus ist Sieger über das Böse, über Unrecht, Leid, Not und Tod. Für Christen ist Er der Erlöser und der auferstandene Grund des Glaubens.

  

Schließlich sei noch auf den Tabernakel hingewiesen.  Als „Tabernakel“ bezeichnet man in der katholischen Kirche den Aufbewahrungsort für die in der heiligen Messe übrig gebliebenen gewandelten Hostien, die nach kath. Glauben Leib Christi sind. Das lateinischen Wort Tabernaculum, von dem sich der Begriff  „Tabernakel“ ableitet, ist eine Übersetzung des hebräischenden Wortes Mishkan [(משכן) dem zeltartigen kultischen Aufbewahrungsort der Thorarollen] und bedeutet soviel wie „Hütte“ oder „Zelt“. Blieben in früheren Zeiten bei der Heiligen Messe Hostien (die heiligen Zeichen der Gegenwart Christi) übrig, hat man diese (wie die Thorarollen) unter ein Tuch (Zelt) getan und aufbewahrt. Der Tabernakel als künstlerisch gestalteter, verschließbarer Aufbewahrungsort  (Schrank) der „heiligen Speise“ ist später an dessen Stelle getreten. In unserer Kirche befindet er sich auf der rechten Seite im Altarraum,  daneben an der Wand das sog. „Ewige Licht“, eine brennende Kerze, die auf den im Glauben gegenwärtigen Herrn hinweist. Gearbeitet wurde der Tabernakel aus Edelstahl; ein großes Zeichen (s. Abb. oben) ist auf seinen Türen angebracht:

 

  • eine germanische Rune – Der Mensch ruft: „Ich bin in Not.“ 
  • ein Hirtenstab – Gott antwortet: „Ich bin bei dir.“
  • das Kreuz – dies alles geschieht durch Jesus Christus und in Ihm.

Eine weitere Besonderheit fällt in einer Wandnische im Mittelteil der Kirche auf. Auf einem Sockel ist hinter einer Glasvitrine ein Reliquiar mit Reliquien des 1987 selig gesprochenen Münchner Jesuiten Rupert Mayer zu sehen. Eine Ikone von Rupert Mayer aus dem Atelier der Paderborner Ikonenmalerin Katharina Sitnikov-Peters wurde zusammen mit einer Ikonenampel, die aus einer in den 1990er Jahren im Krieg zerstörten Kirche im Kosovo stammt, direkt daneben angebracht. Das Reliquiar und die Ikone von Rupert Mayer  wollen auf das beispielhafte Leben dieses Mannes (1876-1945) hinweisen, der in den beiden Weltkriegen Militärgeistlicher war und der wegen seiner Regime kritischen Predigten und seiner Nähe zum Kreisauer Kreis von der Gestapo verhaftet,  interniert und schließlich ins Kloster Ettal verbannt wurde. Im Jahr seiner Befreiung durch den Einmarsch der VII. US-Armee 1945 in Ettal starb Rupert Mayer am Allerheiligentag mitten in einer Predigt in der Münchner Kreuzkapelle von St. Michael.

 

Natürlich gibt es noch viele andere Dinge in der Kirche zu entdecken: die bunten Glasbausteine, die als Mosaik an der Außenfassade an den Giebeln entlang laufen; das große Kreuz im Altarraum, von dem ein lebender Christus auf die Menschen zu blicken scheint; die Stalingrad-Madonna, die Weihnachten 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, von dem evangelischen Pastor, Arzt und Künstler Dr. Kurt Reuber in einem Unterstand im Kessel von Stalingrad mit Holzkohle gezeichnet wurde,  u.v.a.m.

Entdecken Sie unsere Kirche doch selbst einmal. Sie sind herzlich eingeladen.

Möge Gott stets mit uns sein und unter uns wohnen!

Maria, Königin des Friedens, bitte für uns!

 


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