Die Mitte des christlichen Glaubens

Paderborn, 3. April 2007. In den Kar- und Ostertagen feiern die Christen Leiden, Tod und Auferstehung Jesu und damit Fundament und Mitte des christlichen Glaubens. Die Karwoche beginnt am Palmsonntag und dauert bis zum Abend des Gründonnerstags. Mit der dann stattfindenden Abendmahlsfeier beginnt das so genannte Ostertriduum, das bis zum Ostersonntag dauert. Das Osterfest ist in diesem Jahr ein besonderes: Katholische und evangelische Christen in den westlichen Kirchen können es am selben Tag wie die orthodoxen Christen feiern, obwohl beide unterschiedlichen Zeitrechnungen folgen.  

Wie überall in der katholischen Weltkirche findet auch im Paderborner Dom während der Kar- und Ostertage eine Vielzahl besonders gestalteter liturgischer Feiern statt. Erzbischof Hans-Josef Becker und die Dechanten aus den 19 Dekanaten des Erzbistums feiern am Gründonnerstag, 5. April, die Chrisammesse, die um 9 Uhr beginnt. In diesem Gottesdienst werden die heiligen Öle geweiht, die das Jahr über zu Weihen und zur Sakramentenspendung gebraucht werden: das Katechumenenöl, das Chrisamöl sowie das heilige Öl für die Krankensalbung. Im Erzbistum Paderborn sind vor allem die diesjährigen Firmbewerber zur Chrisammesse eingeladen. Im Anschluss an diese Messe werden die heiligen Öle an die Vertreter der Gemeinden verteilt.

Am Abend des Gründonnerstages endet die Karwoche und beginnt das so genannte Ostertriduum, die drei österlichen Tage. Mit der Feier der heiligen Messe vom Letzten Abendmahl (20 Uhr) wird der Einsetzung der Eucharistie gedacht. In diesem Gottesdienst läuten die Glocken nach dem Gloria zum letzten Mal und schweigen dann bis zur Osternacht. Im Anschluss an das Evangelium ist die Fußwaschung vorgesehen. Der Domchor singt „Nos autem gloriari“ und „Christus factus est“ von Felice Anerio (+ 1593), „Ubi caritas et amor“ aus „Quatre motets sur des themes gregoriens“ von Maurice Duruflé (1902 – 1986) sowie von Michael Haller (1840-1915) „Pange lingua“. Im Anschluss an diesen Gottesdienst besteht in der Krypta des Doms Gelegenheit zum Gebet: Von 21.30 Uhr bis 22 Uhr findet eine Gebetsstunde zum Dank für die Einsetzung der Eucharistie statt; von 22 Uhr bis 22.30 Uhr wird für Priester- und Ordensberufe gebetet. Es folgt das Gebet um die Einheit der Kirche von 22.30 Uhr bis 23 Uhr. Mit der Ölbergstunde von 23 Uhr bis 23.30 Uhr sowie der Schlussbetstunde von 23.30 Uhr bis Mitternacht enden die Gebetszeiten an Gründonnerstag.

Neben dem Aschermittwoch ist der Karfreitag (6. April) der einzige vorgeschriebene Fasttag in der Katholischen Kirche. An diesem Tag gedenken die Christen dem Leiden und Sterben Jesu Christi. Um 10 Uhr findet eine Kreuzwegandacht mit Weihbischof Manfred Grothe statt. Sie beginnt in der Krypta und endet im Kreuzgang des Domes. Um 15 Uhr beginnt die Karfreitagsliturgie mit Passion und Kreuzverehrung. Der Domchor singt Motetten zur Passion von G.P. da Palestrina (1525 – 1594), Tomaso Bai (1650 – 1714), Felice Anerio (+ 1593) sowie von Gregorio Allegri (1582 – 1652) das Miserere Mei (Psalm 50) für Schola, Favorit- und Capellchor. Als Zeichen für Tod und Grabesruhe Jesu wird nach der Kommunionfeier der Altar abgeräumt. Mit einer Kreuzprozession und Übertragung des heiligen Kreuzes endet die Karfreitagsliturgie. Um 19.30 Uhr findet die letzte Predigt der diesjährigen Fastenzeit statt. Weihbischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann spricht zu dem Thema: „Wir verkündigen Christus als den Gekreuzigten“. Im Anschluss sind die Gläubigen zu einem stillen Umgang mit der Kreuzpartikel über Domplatz, Bogen, Kasseler Straße, Kamp, Rathausplatz, Schildern und Markt eingeladen.

Die Osternacht ist die älteste Form der christlichen Osterfeier. Die Kirche begeht mit Lichtfeier, Tauffeier, Tauferinnerung, Schriftlesungen und Gebet den Hinübergang Christi vom Tod zum Leben. Die Feier mit Erzbischof Hans-Josef Becker beginnt am Abend des Karsamstages, 7. April, um 21 Uhr. Der Domchor singt Antwortpsalmen zur Osternacht vom Paderborner Domkapellmeister Thomas Berning (* 1966). Auf der Domorgel erklingt „Incantation pour un jour saint“ von Jean Langlais (1907 – 1991).

Am Ostersonntag, 8. April, dem höchsten Festtag im Kirchenjahr, feiert Erzbischof Becker um 10 Uhr mit den Gläubigen ein Pontifikalamt. Musikalisch untermalt wird dieser festliche Gottesdienst von Domchor und Domkantorei, die die Messe in C-Dur von Franz Schubert (1797-1828) für Chor, Soli und Orchester singen. Außerdem steht das “Halleluja“ aus dem „Messias“ von Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) auf dem Programm. Auf der Domorgel erklingt zum Schluss die Choral-Improvisation „sur le Victimae paschali laudes“ von Charles Tournemire (1870 – 1939) nach einer Rekonstruktion von Maurice Duruflé.

Das Pontifikalamt am Ostermontag mit Weihbischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann beginnt ebenfalls um 10 Uhr. Die Domkantorei singt von Alexander Gretchaninoff (1864- 1956) die Missa festiva und von Josef Gabriel Rheinberger (1839 – 1901) „Bleib´ bei uns, Herr, denn es will Abend werden“. Auf der Orgel ist zum Schluss das Praeludium D-Dur op.93 / 1 von Alexander Glasunow (1865 – 1936) zu hören. 

Zu den ausführlichen Gottesdienstzeiten auf den Seiten des Paderborner Doms

Stichwort Ostertermin (Material von KNA)
Seit dem 16. Jahrhundert folgen orthodoxe und westliche Kirchen unterschiedlichen Kalendern: die russisch-orthodoxe dem auf Julius Caesar zurückgehenden Julianischen Kalender, katholische und evangelische Kirche dem 1582 von Papst Gregor XIII. reformierten Gregorianischen Kalender. Ostern wird in der katholischen Kirche immer am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert. Als Frühlingsbeginn gilt dabei der 21. März; frühester Ostertermin ist deshalb der 22. März, spätester der 25. April. Gegenüber dem Gregorianischen Kalender liegt der 21. März des Julianischen Kalenders aber derzeit 13 Tage später; daher verschiebt sich das orthodoxe Osterfest manchmal um eine Mondphase. Die Ostertermine können deshalb bis zu fünf Wochen auseinander fallen. Gemeinsame Ostern gab und gibt es im 20. Jahrhundert 26 Mal, im 21. Jahrhundert 31 Mal.