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Zu viel Fremdwasser in der Kläranlage Sommersell / „Für den Bürger geht es ans Eingemachte!“
Das Thema Fremdwasser ist nicht neu: gemeint sind damit die Wassermengen, die nicht in die Kläranlagen gehören wie Wasser aus Quellen, Drainagen, Regenwasser oder Oberflächenwasser. Der Gesetzgeber hat dazu klare Vorgaben gesetzt. Der Fremdwasseranteil in den Kläranlagen muss unter 50 Prozent des Gesamt- oder Trockenwetterzulaufs liegen, da sonst kein ordnungsgemäßer Reinigungsbetrieb gewährleistet werden kann. Die Brisanz liegt darin, dass der Bürger die Zeche in Form höherer Abwassergebühren zahlen muss.
Im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen (Nieheim) hat Diplom-Ingenieur Michael Bieling vom Ing. Büro Hans Hugo Turk (Brakel) die Ergebnisse der Fremdwassermengen im Einzugsbereich der Kläranlage Sommersell vorgestellt. Hier werden die Abwässer aus Sommersell, Kariensiek, Born, Münsterbrock und der Abtei eingeleitet. Das Büro hatte dazu im Zeitraum März bis Mai 2010 neun Mess-Stellen eingerichtet, das Ergebnis war durchgehend ernüchternd. Mit einem Fremdwasseranteil bis zu 80 Prozent werden die zulässigen Werte an allen Messpunkten deutlich überschritten, oft um ein Vielfaches gegenüber dem Schmutzwasser.
Die Bezirksregierung hat darauf bereits reagiert und die Aufstellung eines Fremdwassersanierungskonzepts angemahnt, das ganzheitlich bis zum 31. 12. 2015 umgesetzt sein soll. In der Praxis müssen private Eigentümer und die öffentliche Hand ihre Kanäle einer Dichtigkeitsprüfung unterziehen. „Schwierig wird das dort, wo Mischsysteme vorliegen," so Michael Bieling. Die Stadt Nieheim will das Problem möglicherweise mit Sanierungs-Sondersatzungen zügig anpacken, dabei gelten in Wasserschutzgebieten sogar noch verkürzte Fristen. Solche Satzungen haben auch Auswirkungen auf die Kosten. Private Hauseigentümer können bei der Sanierung ihrer maroden Anschlüsse mit Zuschüssen rechnen, die Antragsfristen enden aber nach gegenwärtigem Stand am 31. Dezember 2011. Die Stadt Marienmünster wisse um die Problematik und müsse ebenfalls reagieren.
Bürgermeister Rainer Vidal war sich der Schwierigkeit bewusst, dem Bürger die Problematik transparent zu machen und verständlich nahe zu bringen, etwa die Frage, wieso Quellwasser abgefangen werden muss und als sauberes Wasser nicht in eine Kläranlage fließen darf. Die Aufsichtsbehörden seien jedenfalls entschlossen, das Konzept Fremdwassersanierung durchzusetzen, auch wenn sich die Betroffenen die Frage nach der Zweckmäßigkeit stellten, weil alles im unsichtbaren Bereich irgendwo im Erdreich stattfindet. Bei der Dichtigkeitsprüfung geht es für den Bürger ans Eingemachte, sprich ans Portemonnaie und das gleich doppelt: bei der Sanierung der Hausanschlüsse und des öffentlichen Netzes. „Ich beschäftige mich seit zwei Monaten mit dem Thema. Die Zusammenhänge sind mir aber längst nicht so klar, dass ich sie anderen erklären könnte," räumte das Stadtoberhaupt ein, das darauf hinwies, dass es um kein Nieheimer Problem gehe. Es müsse daher einen kreisweiten Ansatz zur Lösung geben. Allerdings stehe man erst am Anfang.
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