Gebete und Impulse
aus dem Pastoralen Raum Soest

 

 

In vielen Kirchen ist es Brauch, dass Menschen in einem Gebetsanliegen eine Kerze anzünden.

Diese Möglichkeit geben wir Ihnen auch auf der Homepage der Abtei Königsmünster. Die Mönche nehmen Ihr Anliegen dann mit in ihr Gebet!

Hier klicken und eine virtuelle Kerze entzünden!

 

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  #Tragseil

    Glaube verbindet / Kirche trägt / Gott hält -
   
Gedanken zum Durchhalten, Aufatmen, Hoffnung behalten

       Bild: pixabay

 

Liebe Menschen im Pastoralen Raum Soest,
wir führen die Reihe der #Tragseil-Impulse weiter und stellen hier jeweils zur Wochenmitte und am Sonntag einen neuen Impuls online. Diese Impulse sollen Ihnen während der Coronakrise, Hilfestellung und Ermutigung sein. Einige Seelsorger/innen aus dem Pastoralen Team werden ihre individuellen Gedanken in dieser so herausfordernden Zeit mit Ihnen teilen. Sollten Sie zu den Texten Gesprächsbedarf haben, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme, die jeweiligen Daten dazu finden Sie unter jedem einzelnen Denkanstoß.

Wir sind für Sie da!
Ihre Impulsgeber / Impulsgeberinnen

 

05.08.2020: # VON DIR BIN ICH GESEHEN!

 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht kennt mancher von Ihnen die Sendung: „Klein gegen Groß“. Dieser Titel und dieses Foto haben den heutigen Tragseil-Impuls angestoßen:

 

Ich möchte es so formulieren: „Die Kleinen – wie die Großen“ – es tut ihnen gut, wenn sie jemand anschaut, wenn sie jemand beachtet, wenn sie jemand wahrnimmt, wenn sie jemand ernst nimmt. Denn sie alle sagen still: „Wenn du mich doch brauchen würdest… ich wäre einfach da!“ Angesehen sein und Ansehen schenken – so können wir es beim Psalmisten lesen, war immer ganz wichtig: „Der Herr wende dir sein Angesicht zu, ER lasse sein Angesicht über dir leuchten…“

Und wie kann ein solcher Wunsch konkret werden? Es gibt so viele Situationen, in denen ich Gott mein Gesicht, meine Augen und die Augen meines Herzens leihen kann: Menschen in meiner Umgebung beachten, ihnen Aufmerksamkeit schenken, das bedeutet für sie, Wertschätzung und tut ihnen gut. Denn, das kennen wir alle, wo beachtet werden geschieht, erkennt der Mensch seine Fähigkeiten wieder, entdeckt Kräfte, die er verloren gegangen wähnte, erlebt er die Freude, gebraucht zu werden.

Da blüht der Mensch auf, geht aus sich heraus, weil er sich ernst genommen fühlt und weil er spürt, ich bin angenommen. Was auf unserem Bild zwischen Tieren geschieht, zwischen Klein und Groß, das gilt auch für uns Menschen – oder, wie Hilde Domin es ausdrückt:

„Ansehen beginnt damit, dass sich Augen treffen. Es gibt dich, weil Augen es wollen, weil sie dich ansehen und so sagen: Gut, dass es dich gibt! Lass dich nicht aus den Augen verlieren!“

Daraus können wir viel entnehmen – wir können es auch ins Gebet formulieren (bearbeitet nach Jörg Zink in Tedeum extra):

Eine Zeit der Stille wirst du brauchen In die Stille gehen, heißt aber nicht immer, sich entfernen von den Menschen! Es heißt vielmehr auch, ihr Herz zu suchen – sie, einfach ohne Worte brauchen, sie anzusprechen, ihnen etwas zuzutrauen und wissen, dass sie auch im Stillen versuchen, dir eine Hilfe zu sein, vielleicht auch im Gebet – weil du sie angeschaut hast.

Rainer Maria Rilke erzählt von folgender Gegebenheit, die zeigt, wie wichtig es für uns Menschen ist, angesehen zu werden:

Gemeinsam mit einer jungen Französin kam er um die Mittagszeit an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin saß, die um Geld anhielt. Ohne zu irgendeinem Geber je aufzusehen, ohne ein anderes Zeichen des Bittens oder Dankens zu äußern als nur immer die Hand auszustrecken, saß die Frau stets am gleichen Ort. Rilke gab nie etwas, seine Begleiterin gab häufig ein Geldstück. Eines Tages fragte die Französin verwundert nach dem Grund, warum er nichts gebe, und Rilke gab ihr zur Antwort: „Wir müssen ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.“

Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte weiße Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen. Da geschah das Unerwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.

Eine Woche lang war die alte Frau verschwunden, der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer. Vergeblich suchte die Begleiterin Rilkes eine Antwort darauf, wer wohl jetzt der Alten ein Almosen gebe. Nach acht Tagen saß plötzlich die Bettlerin wieder wie früher am gewohnten Platz. Sie war stumm wie damals, wiederum nur ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand. „Aber wovon hat sie denn all die Tage, da sie nichts erhielt, nur gelebt?“, frage die Französin. Rilke antwortete: „Von der Rose . . .

Guter Gott! Lass uns den anderen und vor allem DICH niemals aus den Augen verlieren und hilf uns dabei, dass wir niemals von Dir und Deinem liebenden Blick auf uns getrennt werden. Amen Schauen wir an – und lassen wir uns anschauen – das wünsche ich uns!

In Verbundenheit grüße Sie herzlich

Ihr Pfr. Uwe van Raay uwe.vanraay@pr-soest.de

 

29.07.2020: # Sommerwege