Aktuelles

Bericht in der Kleinen Zeitung vom Sonntag, 9. August
Regionalausgabe Oberkärnten

Jedermann: Ein Mann wie jeder Mann

Der „Berger Jedermann“, Vorläufer des Salzburger Dauerbrenners, ist noch heute und dann erst wieder 2019 zu sehen. Unfallauto ist symbolischer Teil des Bühnenbildes.

BARBARA EINHAUER

Aha, da ist also das Haider-Auto am sicheren Ort!“ riefen so manche Besucher der Berger Ochsenschlucht aus, als sie das Bühnenbild von Hans-Peter Profunser sahen. Ein schwarzes, durch einen Unfall beschädigtes Auto scheint in eine Wand aus 1700 leeren Weinflaschen gerast zu sein. Was er damit aussagen will, wird der Künstler gefragt: „Es ging mir darum aufzuzeigen, wie schnell ein Leben vorbei sein kann, und da passten Alkohol und Unfallauto einfach gut hin“, erklärt der Oberkärntner Künstler und beim Berger Jedermann für das Bühnenbild verantwortliche Profunser.

Schon füllen sich die Sitzbänke, und noch drängen Besucher aus allen umliegenden Tälern bis hin zum Lesachtal in die stimmungsvolle Ochsenschlucht, wo nach zehn Jahren wieder der „Berger Jedermann“ gegeben wird. „Des machts euch a recht brat, kimt ma für“, ruft ein nach einem Sitzplatz Ausschau haltender Berger in eine Gruppe von Nachbarn. Ein bisschen zusammenrücken, und alle haben Platz.

In einer für das Publikum nicht einsichtigen Grube seitlich der Bühne sitzen schon die Darsteller des nur noch heute, Sonntag, um 20.30 Uhr aufgeführten Stückes, das sich dann wieder in eine zehnjährige Pause begibt. „Ab und zu fallen mir im Alltag Textpassagen ein“, bekennt der Berger Tischlermeister und Darsteller des „Jedermann“, Alois Unterwaditzer. „Wenn ich dann ins Alter komm / wird’ ich schon werden fromm“ lautet eine, die er als Hauptdarsteller des Berger Jedermann sagt. „Die Figur des Jedermann habe ich schon vor zehn Jahren gespielt“, erzählt der Spezialist für Schutztüren, dessen Firma etwa die Justizanstalt Krems beliefert.

Besuch vom Tod

Das Drama des „Jedermann“ beginnt, als er sein – als Bonvivant intensiv geführtes – Leben nach dem unerwarteten Besuch vom Tod (eindrucksvoll gespielt von Sepp Thalmann) beendet sieht und sich für seine Unmäßigkeiten verantworten soll. Diese treten ihm und dem Publikum in dieser traumhaften Naturkulisse als allegorische Figuren vor Augen. Da ist die 17-jährige Vanessa Unterguggenberger, die, in schillerndes Rot gewandet, die Wolllust darstellt. „Meine Schulkameraden in der HLW Lienz waren schon während der Probenzeit stolz auf mich und mein Theaterspiel“, berichtet Vanessa, die ihre textlose Rolle mit lasziven Gesten anlegt.

Als weitere „Sieben Todsünden“ treten Eva Strauß (Hoffart, mit Spiegel), Völlerei (Silvia Kratzer, immer mit Lunchpaket), die Trägheit (Erwin Sattlegger) und der Hass (Gerti Profunser) auf. Der Neid ist Andre Berger (16), und der Geiz in der Darstellung von Anni Sattlegger kommt, raffgierig um sich spähend, mit eng an sich gepressten Geldsackerln im Goldgewand daher.

„Wir möchten im Zuseher ein Bewusstsein für die eigene Endlichkeit hervorrufen“, sagt Spielleiterin Anita Profunser, die sogar Sprechtechnik-Unterricht für ihre Schar organisiert hat. Die 15 Schauspieler probten seit November für das im Zehnjahres-Rhythmus gespielte Stück. Von dieser Aufführung bleiben in Erinnerung: das bunt ausgeleuchtete Bühnenbild (Licht: 4er Team mit Udo Fritzer) und das beim Auftritt des Teufels (Jutta Jester) abgeschossene Feuerwerk (Manfred Gaschnig), die hautengen Kostüme von Hildegard Duregger, Natascha Thalmann und Hemma Reiter.

Anleihen

Akustisch gefallen die stimmungsvollen und obertonreichen Soundtracks, für die Sepp Sattlegger und Manfred Tischitz verantwortlich zeichnen. Wenn die Ochsenschlucht vom Ruf „Jedermann“ widerhallt, muss man an den Salzburger Jedermann denken: Doch der 1911 uraufgeführte Hofmannsthal’sche Jedermann hat vielleicht Anleihen an dem Berger Jedermann genommen, einem Stück, das der Berger Pfarrer Matthias Staudacher vor mehr als 110 Jahren verfasste. Vorbild waren spätmittelalterliche Mysterienspiele, bei denen allegorische Figuren auftreten und die ein christliches Weltgefüge spiegeln, in dem sich der Mensch, also jeder Mann, jedermann, verantworten muss.


Zurück zur Übersicht der Artikel

BergTheater auf facebook